Lucky-Feivel Administrator
Anmeldungsdatum: 16.10.2004 Beiträge: 193
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Verfasst am: 03.11.2004, 01:51 Titel: Gedicht: Für den Einsamen... |
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Für den Einsamen
...oder "love yourself first"!
Du schreibst mir immer öfter, wie einsam Du bist. Stellst den Anspruch an andere, Dich von diesem quälenden Zustand zu befreien. Findest aber irgendwie niemanden, der Dir dabei hilft.
Also lenkst Du Dich ab, tust und machst alles mögliche nur um nicht mit Dir selbst allein sein zu müssen. Gehst aus, triffst Leute, machst Sport, gehst ins Kino, telefonierst, siehst fern, arbeitest ohne Ende - schön und gut - doch wenn Du nach Hause kommst, bist Du allein, der schwarze Mantel Deiner Einsamkeit legt sich über Dich und wiegt schwer, sehr schwer.
Er drückt Dich zu Boden, macht Dich unendlich traurig. Du bist voller Sehnsucht.
Du wartest auf den Menschen, der diesen Mantel von Dir nimmt, denn Du bist davon überzeugt, dass Du es selbst nicht schaffst.
Mehr noch, Du glaubst dass dieser Mensch ein wunderschönes Geschenkpaket in den Händen hält. Und dieses Paket ist ganz allein für Dich bestimmt, denn darin befinden sich die heiß ersehnten Glücksbringer wie Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Aufmerksamkeit u.s.w. u.s.f.
Meinst Du.
Doch wo ist dieser Mensch? Du kannst ihn nicht sehen.
Du machst Dich auf die Suche.
Auf der Strasse, im Park, im Biergarten, in der Kneipe, bei Freunden, auf Parties, in der Disco, im Waschsalon, in Kontaktanzeigen, im Single-Server.
Irgendwann findest Du irgendwie, irgendwo irgendjemanden.
Endlich.
Du klammerst, kämpfst, hälst Dich fest, wartest auf Anrufe, hoffst, verlierst Dich, gibst Dich auf, lebst nur noch für den anderen, lässt Dich gehen, benimmst Dich zwanghaft, unangemessen, vernachlässigst Dich und bist plötzlich wieder allein - einsam - und ganz weit weg von Dir selbst.
Das Geschenkpaket war leer, nichts drin für Dich.
Du versuchst es noch mal mit einem anderen irgendjemand, doch das Spiel wiederholt sich, und dann wieder und wieder und wieder.
Ermüdend.
Desillusionierend.
Dann gehst Du nach Hause, setzt Dich hin, lenkst Dich diesmal nicht ab, tust nichts, einfach mal gar nichts. Stille.
Dann kommt der Schmerz, Du spürst das übergroße Defizit, die Leere, die Dir ein Loch zuerst in den Bauch und dann in Dein Herz frisst.
Du probierst etwas Neues aus, fragst Dich zur Abwechslung mal selbst, was Du Dir eigentlich in diesem Moment geben kannst, um Dich besser zu fühlen. Wie ein bedürftiges Kind fängst Du an Dich zu hegen, zu pflegen und zu umsorgen.
Ein heißes, wunderbar duftendes Öl-Bad, das Deine Haut ganz weich und zart macht, die reichhaltige Jojoba-Kur im Haar. Den Kopfhörer mit Deiner Lieblingsmusik auf den Ohren. Dem folgt die verwöhnende Einsalbung mit feinster Lotion von Jasmin-Essenzen. Du schlüpfst in Deine neue rote CK-Unterwäsche ( die Du natürlich nicht wegen irgendjemandem sondern nur wegen Dir selbst gekauft hast!). Dann ab auf die gemütliche Couch. Durch das leicht geöffnete Zimmerfenster dringt der Duft von frisch gemähtem Gras in den Raum. Mit Genuss verspeist Du Deine kurz in Knoblauch-Butter angebratenen Scampi-Spiesse, trinkst dazu einen 1998er Chateauneuf du Pape. ( Zugegeben, dies alles kostet natürlich ein paar Euros, aber wenn Du ein paar von Deinen überflüssigen Sinnlos-Such-Zwanghaft-Dates ausfallen lässt, hast Du das Geld schnell zusammen.).
Du kuschelst Dich in Deine warme Decke ein, liest ein paar Seiten Deines Lieblingsbuches und spürst wie Du ganz bei Dir bist.
Du bist Dir selbst nah wie nie zuvor.
Dir geht es so unbeschreiblich gut dass selbst wenn jetzt Dein Oberheld Russel Crowe
- der Gladiator persönlich - zur Tür herein käme, Du ihn wegschicken würdest.
UND DAS ! WÜRDE DIR VERDAMMT NOCHMAL SEHR SEHR SCHWER FALLEN!!!
Aber, Du wartest auf nichts und auf niemanden, Du bist ange-kommen bei dem Menschen, der Dich Dein Leben lang begleiten wird, der immer bei Dir ist und Dich nie verlässt. Jemand, der Dich weder betrügen noch hintergehen wird, der Dich nicht einfach so fallen lässt und Dir mit einem lapidaren "Schönen Abend noch" die Tür vor der Nase zuhaut.
Auf wen hattest Du noch gewartet? Schon vergessen?
Na umso besser.
Du fragst Dich, ganz nebenbei, an und für sich unwichtigerweise, was eigentlich aus dem Geschenkpaket geworden ist, das, worauf Du immer gewartet hast?
Dieses, mit dem beglückenden Inhalt.
Wer war noch mal derjenige, der es Dir überreichen sollte?
Und ist die Frage überhaupt noch relevant?
Ich denke, ja.
Denn wenn Du Dich nun von Deiner Couch erhebst, ins Bad zu-rück gehst und in den Spiegel schaust, dann siehst Du dieser Person mitten ins Gesicht. |
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